Geburt

20igster Dezember 23.00 h. Es gieng los. Und wie es losgieng! Die erste Wehe hatte sich angemeldet, mit voller Wucht, eine geballte Ladung Kraft die mir fast den Atem raubte. Nach etwa 30 Sekunden war der Spuk wieder vorbei. Und bevor ich es überhaupt recht begreifen konnte was da geschah, war schon die nächste Wehe im Anmarsch. Au weia, so hatte ich mir das eigentlich nicht vorgestellt. Ich hatte gedacht ich könnte mich so ganz langsam in diese Endphase der Schwangerschaft hineinleben. War wohl nichts!!!!

Die letzten Wochen vor der Geburt wohnte ich bei meinen Eltern in Dietikon da ich meine Wohnung schon aufgegeben hatte und ich noch nicht in meine zukünftige Heimat Burgdorf zu Dänu ziehen wollte. Unterdessen machte es sich Dänu in der neuen Wohnung gemütlich. Die Schachteln mit dem ganzen Hausrat blieben dort stehen und liegen wo man sie beim zügeln hingestellt hatte. Dänu störte das überhaupt nicht, Hauptsache der TV und der PC (ich korrigiere, der Mac) waren installiert. Schliesslich brauchte er ja alle Zeit um TimÔs Homepage zu kreieren. Meine grösste Sorge war immer das Dänu es nicht rechtzeitig ins Limmatalspital schaffen würde. (Burgdorf ist eine gute Autobahnstunde vom "Limmi" entfernt) Meine Sorge war umsonst. Erhätte auch einen Umweg via New York nehmen können und wäre immer noch rechtzeitig zur Geburt unseres Sohnes dagewesen.

Donnerstag 2 Uhr morgens. Die Wehen kamen in etwa 6-7 minütigen Abständen. Ich wusste einfach nicht ob ich Dänu schon aus den Federn klingeln sollte. Also rief ich im Spital an. Dort sagte man mir ich solle noch warten bis die Wehen alle 5 Min kommen. Na toll! 2 Stunden später kamen die Wehen immer noch im 6-7 Min Takt. So nun hatte ich genug. 5 Stunden Wehen und kein Ende war abzusehen. Nun wollte ich doch ein wenig moralische Unterstüützung von meinem Partner bekommen, auf die Gefahr hin das ich ihn aus den süssesten Träumen herausreissen würde.

1 Stunde und 20 Minuten später stand Dänu vor der Tür. Er strahlte wie ein Maienkäfer übers ganze Gesicht. Da die Wehen nun in bedrohlich kurzen Abständen kamen (4-5 min), machten wir uns in Windeseile auf den Weg ins Spital. Dort bekamen wir ein herziges kleines Zimmer ganz für uns alleine. Ich konnte es mir aber leider gar nicht gemütlich machen weil eine Wehe jagte die Nächste , so kam es mir jedenfalls vor, und mir nur wenig zeit blieb um dazwischen ein bisschen Luft zu schnappen. Und so weiter, und so weiter.............und so weiter und so weiter..... Wieder waren Stunden vergangen, es war nun 2 Uhr nachmittags, aber ein Ende war immer noch nicht in Sicht. Nur Ich selber fühlte mich so langsam aber sicher am Ende. 15 Stunden Wehen, eine nach der anderen, keine Zeit dazwischen zur Erholung, was hatte ich mir da nur eingebrockt???? Ja was nur??? Ich wollte sterben, ich wollte nach hause, ich wollte alles, nur nicht mehr hier sein und versuchen ein Kind zu gebären. Mir kam eine Arbeitskollegin in den Sinn, die hatte es nicht mehr bis ins Spital geschafft und hatte ihr Baby noch zuhause geboren. Es gibt Menschen die sind einfach vom Glück umspühlt........ Also ich gehörte definitiv nicht zu denen, so dachte ich jedenfalls in diesem Moment.

Auf jedenfall liess mich die Hebamme nicht nach hause gehen, sie meinte ein schönes warmes Bad schaffe mir bestimmt ein bisschen Erholung. Also hiefte ich meine 82 Kilos über den Badewannenrand und liess mich in die Wanne sinken. Normalerweise liebte ich heisse Bäder. Bei Kerzenlicht und einem guten Buch lässt es sich wunderbar aushalten. Leider hatte ich keine Zeit zum geniessen. Hier drinnen waren die Wehen nämlich noch stärker, obwohl das ja eigentlich gar nicht mehr möglich war, waren sie doch schon schlimmer als bei jeder anderen Frau!!!! Wahrscheinlich war ich die absolute Ausnahme, denn sowas hält doch sonst niemand aus!!!!! Für Selbstmitleid war aber wieder mal keine Zeit, ich wollte nämlich nur noch raus aus der Wanne. Inzwischen war ja auch schon wieder über eine Stunde vergangen. Abends um 5 uhr hatte ich endgültig genug. Nach diesem 18 stündigen Horrortrip wollte ich nur noch eins; ERLöSUNG!!!! Wie diese Erlösung aussehen sollte war mir Wurscht.

Die Hebamme fackelte dann auch nicht mehr lange und rief den Arzt, welcher mir dann eine PDA verabreichte. Nun gieng es ziemlich schnell und ich war frei von Schmerzen. Vom Bauch abwärtes hatte ich nun fast kein Gefühl mehr, aber das war egal, Hauptsache die Schmerzen waren weg. Endlich konnte auch Dänu ein bisschen verschnaufen. Der Arme sah sichtlich erschöpft und mitgenommen aus. Nun hiess es also warten. Warten auf was eigentlich? Es war schon komisch, der Wehenschreiber zeigte weiterhin regelmässige Wehen an, doch ich spürte überhaupt nichts mehr.

Dann endlich, nach einer langen Nacht des Wartens und Abwartens entschloss sich die ärztin den Jüngling mit meiner Hilfe (pressen obwohl ich gar keine Presswehen hatte) und der Hilfe der Saugglocke ans Licht der Welt zu holen. Ich versuchte kräftig mitzuhelfen, was sich als ziemlich schwierig erwies da ich mir die Presswehen irgendwie gedanklich vorstellen musste?!?!!%*Ť". Es war nun für mich mehr Kopfarbeit als Körperarbeit. Ob's geholfen hat oder nicht weiss ich nicht. Auf jedenfall brachte ich mit vereinten Kräften (Saugglocke, Dammschnitt, Aerztin, Hebamme, Dänu...) punkt 5 uhr 25 am 22 Dezember in der Dunkelheit des frühen Morgens, einen kräftigen kleinen Kerl zur Welt, welcher auch sogleich seine ganze Empörung über die unsanfte Behandlung mit kräftigem Organ lauthals herausschrie!!!!!!